In Marketing, Onlinemarketing, Onlinewerbung

Wie sieht die Zukunft von Onlinewerbung aus?

Lesezeit: 5-6 Minuten

Die wichtigsten Learnings aus diesem Beitrag:

  • Onlinewerbung wird sich in den kommenden Jahren grundlegend ändern
  • Werbung wird nutzerfreundlicher werden
  • Störende Werbeformate werden stark an Bedeutung verlieren

In den letzten Jahren haben viele Entwicklungen den Online-Werbemarkt grundlegend verändert. Themen wie Mobile Devices, Adblocking, Datenschutz oder HTML5 haben Diskussionen ausgelöst, deren finales Ergebnis derzeit noch nicht abzuschätzen ist.

Die digitalen Märkte sind mit Werbung überladen – die Nutzer frustriert und verunsichert. Medien haben gleichzeitig Mühe, ihre Angebote alleine mit klassischer Onlinewerbung zu finanzieren.

Zu guter Letzt gibt es die Werbekunden, die immer mehr Schwierigkeiten erfahren mit Marken, Produkten und Aktionen beim Nutzer Eindruck zu machen.

Eines ist sicher. Die digitale Werbewelt wird sich in den kommenden Jahren massiv ändern.

Meiner Einschätzung nach gehen aber viele Prognosen in diesem Zusammenhang an der Realität vorbei. Vor allem deshalb, weil Gewinnstreben statt klares Denken bei deren Erstellung die Oberhand gewonnen hat.

Deshalb will ich einen Versuch starten und ein eigenes Szenario erstellen, wie die digitale Werbewelt im Jahr 2020 aussehen könnte.

Lassen Sie uns die Reise in die Zukunft starten:

Bannerwerbung

Reguläre Bannerwerbung hat an Bedeutung verloren. In mobilen und nicht-mobilen Browsern sind Adblocker zum Standard geworden, da Nutzer sich zunehmend gestört gefühlt haben und zudem die Datenschutzbedenken gestiegen sind.

Zusätzlich haben schärfere Datenschutzbestimmungen vor allem in Europa dazu geführt, dass viele Trackings in der ursprünglichen Form nicht mehr möglich sind.

Real-Time-Bidding ist wegen den fehlenden Daten die Luft ausgegangen. Zudem haben diverse Aufdeckungen von dubiosen Geschäftsmodellen dazu geführt, dass das Vertrauen in diese Werbemethode zutiefst erschüttert wurde.

Die Bereitschaft der Nutzer für digitale Dienstleistungen zu zahlen, hat Medien aus der Werbezwickmühle befreit. Wichtiger denn je ist deshalb guter Content geworden, um zahlende Nutzer zu binden.

Mobile Ads

Mobile Ads auf Webseiten haben an Bedeutung verloren, da auch hier mittlerweile Adblocker sehr effiziente Dienste leisten. Nur in Apps ist die Werbeplatzierung noch ohne größere Probleme möglich. Medien haben aus ihren Fehlern während des Desktop-Zeitalters gelernt und bieten meist nur noch dezente, zurückhaltende Formate in deren Apps an. Anbieter von Gratis-Apps übertreiben es aber nach wie vor mit Werbung. Deshalb ist es vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis die Adblocker auch Werbung in Apps effizient ausblenden können.

PreRolls

Die Rolle von Bewegtbildwerbung wie beispielsweise PreRoll Spots wurde mittlerweile durch den Einsatz von Adblockern extrem geschwächt. Stattdessen haben Sponsorings und Product Placements auf prominenten Videoportalen und Channels massiv an Bedeutung gewonnen.

Videokanäle von Marken haben extrem an Reichweite und Popularität gewonnen. Grund hierfür war der radikale Umschwung in der Markenkommunikation. Statt monotoner Eigenwerbung finden die Nutzer sehenswerten, interessanten Videocontent der Geschichten erzählt, unterhält und informiert.

E-Mail Marketing

Gutes E-Mail Marketing hat einen zweiten Frühling erlebt. Statt wie früher reine, nichts aussagende Werbemails zu senden, bekommen die Kunden sinnvolle und interessante E-Mails zugesendet. Es geht weniger darum den direkten Abverkauf zwingend zu fördern, sondern vielmehr darum die Kunden an die Marke zu binden und ihnen im täglichen Leben einen klaren Mehrwert zu geben. Ursache für diesen Paradigmenwandel ist die Einsicht vieler Marken, dass eine E-Mail Abmeldung nur einen Klick entfernt ist, aber die Gewinnung eines qualitativen Newsletter-Abonnenten viel Aufwand kostet.

Suchmaschinenwerbung

Suchmaschinenwerbung ist nach wie vor ein wichtiges Werbeinstrument für viele Unternehmen. Vor allem Zahlungen an Adblock-Anbieter haben verhindert, dass Suchmaschinen-Anzeigen ausgeblendet werden. Die stärkere Digitalisierung der Märkte hat aber dazu geführt, dass der Wettbewerb bei der Suchmaschinenwerbung enorm geworden ist. Upselling und Kundenbindungsprogramme sind notwendig, damit sich die Investitionen wirtschaftlich lohnen. Für viele kleine Shops ist die Bewerbung nur noch in ganz kleinen Nischen wirtschaftlich finanzierbar.

Suchmaschinenoptimierung

Die Algorithmen von Google, Bing & Co sind in den vergangenen Jahren komplexer und intelligenter geworden. Es wird immer schwieriger die Suchmaschinen technisch und inhaltlich in der Suchmaschinenoptimierung auszutricksen. Nutzerorientierung ist wichtiger denn je geworden. Nur Webseiten mit klarem qualitativem Mehrwert für die Nutzer gelingt es noch Top-Listungen zu schaffen.

Digitale PR

Da viele Werbekanäle nicht mehr wie gewohnt funktionieren, ist der einzige Weg, über Medien und Blogs Reichweite zu generieren, die digitale PR Arbeit. Online-Redakteure, Blogger und Digital-Opinion-Leaders sind Zielgruppe der PR Agenturen geworden. PR Agenturen haben sich grundlegend in den letzten Jahren verändert und sich den Marktbedingungen angepasst. Einstige digitale Media-Budgets sind zum Großteil an diese Agenturen gewandert.

Affiliate Marketing

Auch im Affiliate Marketing hat sich in den vergangenen Jahren viel geändert. Auch hier haben Werbeblocker es vielen Affiliates schwerer gemacht Werbung auf den eigenen Seiten zu platzieren und hiermit letztendlich Geld zu verdienen. Stattdessen setzt die Affiliate Szene beispielsweise verstärkt auf glaubwürdige Blogbeiträge und Newsletter um Angebote zu promoten, ohne den Blick für den Nutzermehrwert zu verlieren.

Digitales Productplacement

Die digitalen Werbeblockaden haben viele Markenkonzerne vor große Herausforderungen in den letzten Jahren gestellt. Was bis vor einigen Jahren nur im Supermarkt zu sehen war ist nun auch im eCommerce die Regel. Shops bieten großen Herstellern Premium-Platzierungen an um Produkte prominent zu platzieren um somit letztendlich den Abverkauf zu steigern.

Social Media

Der Social Media Hype ist für den B2C Bereich größtenteils vorbei. Der Wettbewerb ist auf Plattformen wie Facebook mittlerweile so stark geworden, dass sich Aufwand/Kosten nicht mehr rechnen.

Content Marketing

Content Marketing ist das neue Social Media. Durch qualitativen und nützlichen Content haben viele Unternehmen es geschafft, die Nutzer regelmäßig auf die eigenen Portale zu lenken. Zudem sind neue Content-Portale entstanden, bei denen Nutzer Content von verschiedenen Marken präsentieren und sich zu einem eigenen Content-Feed zusammenstellen können. Diese Feeds können mit regulären Nachrichten von Medien kombiniert werden. Hierdurch entsteht für den Nutzer ein zentraler, individueller und hochwertiger Infokanal. Qualität ist besonders wichtig, da auch hier genau wie beim Newsletter eine Abmeldung von einem Markenfeed nur einen Klick entfernt ist.

Weiterempfehlungsmarketing

Bewertungen und Weiterempfehlungen genießen nach wie vor einen hohen Stellenwert, ob dies in Onlineshops, auf Bewertungsportalen oder in sozialen Netzwerken ist. Manipulationsversuche dieser Bewertungen sind bei den großen Anbietern nahezu unmöglich geworden, da komplexe Algorithmen zielgenau manipulierte Meinungen und Bewertungen erkennen und löschen können. Zudem kennen viele Nutzer mittlerweile die Möglichkeiten um schlechte Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu bringen.

Kundenorientierung hat deshalb stark an Bedeutung gewonnen, sowohl für Produkthersteller als auch für Dienstleistungsunternehmen.

Die Veränderungen in der Onlinewerbung werden in den kommenden Jahren das digitale Geschäft grundlegend ändern. Es wird Medien, Unternehmen, aber auch Agenturen geben, die diesem Wandel zum Opfer fallen werden. Und das ist auch gut so, da dies oft durch nicht nachhaltiges, zutiefst gewinngieriges Denken verschuldet ist.

Für andere wird genau dieser Richtungswechsel die Chance sein um nachhaltigen Erfolg zu erzielen. Wichtig ist, dass man den Wechsel in der Onlinewerbung nicht ignoriert, sondern proaktiv Maßnahmen ergreift um für die digitale Werbe-Zukunft gerüstet zu sein. Dies bedeutet natürlich Arbeit und auch die Bereitschaft neue Wege zu probieren und alte Denkmuster in Frage zu stellen.

Bildcredit: Freepik

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